Rundgangspreise 2026
Foto: Haben Ghebregziabher
Zum 28. HfG-Rundgang wurden 14 Rundgangpreise vergeben. Wir gratulieren allen Preisträger_innen und möchten uns bei den Preisstifter_innen und Jurys bedanken!
Rundgangpreis für Malerei und Zeichnung Sylvia von Metzler
Der Rundgangpreis für Malerei und Zeichnung wurde 2026 zum zweiten Mal von Sylvia von Metzler gestiftet.
Dotierung: 5.000 Euro
Jury
- Franziska Nori (Direktorin Frankfurter Kunstverein)
- Viola Bittl (Künstlerin)
- Thomas Werner (Künstler)
Der Preis wurde geteilt und geht an Nani Lee und an Marina Schmitt.
Jurybegründungen
Marina Schmitt befasst sich mit der Ästhetik eines ehemaligen, jedoch noch präsenten Alltags der einstigen Sowjetunion. Sie ritzt Umrisse von Kristallerien in Glas und malt auf Leinwand die Hommage an den Teppich, der in keinem Haushalt fehlen durfte. Schmitts Arbeiten zitieren diese Alltagsgegenstände als Referenten einer kollektiven Erfahrung und Erinnerung bürgerlicher Interieurs, die weit über die Sowjetunion hinaus, kulturelle Marker einer vergangenen Zeit geworden sind.
Mit ihrer Malerei steht die Nani Lee für die Sehweise einer ganzen Generation. Ihre Materialien sind gefundene Bilder, die sie aus der Flüchtigkeit und Zweidimensionalität der Bildschirme in Malerei dauerhaft bannt. In zahlreichen Schichten und Spiegelungen entstehen dichte Atmosphären einer Selbstvergewisserung in Zeiten der Bilderflut. Überzeugend finden wir das Aufbrechen des Bildes in mehrere Bildträger, die nicht nur den räumlichen Bezug herzustellen wissen, sondern auch die Zersplittertheit des Bildes heute in Frage stellen.
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v.l. Nani Lee, Marina Schmitt
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
Rundgangpreis Keramik der Aventis Foundation
Der Rundgangpreis Keramik wurde 2026 zum dritten Mal vergeben und setzt einen neuen, Fokus auf die Entwicklung der Höchster Porzellan Manufaktur unter der Ägide der HfG.
Dotierung: 4.000 Euro
Jury
- Robert Schittko (Künstler, HPM-Stipendiat und HfG-Alumnus)
- Nàto Busc-Ducros (Künstler, HPM-Stipendiat)
- Philsoo Heo (Künstler und HPM-Stipendiat)
- Miru Kim (Künstlerin, HPM-Stipendiatin)
Der Preis geht an Niquu Eyeta für ihre Arbeit »In the Smallest Traces«.
Jurybegründung
Niquu Eyeta überzeugte die Jury mit ihrer Arbeit In the Smallest Traces. Die weit ausgreifende Installation aus teils roh gebrannten keramischen Elementen, Textilien, wiederverwendeten Objekten und selbst hergestellten Pigmenten natürlichen Ursprungs schuf einen Raum, der unmittelbar sinnlich erfahrbar wurde. Beim Betreten der Installation entstand beinahe der Eindruck, die Farben und Materialien riechen zu können. Zunächst ließ sich diese Wahrnehmung kaum einordnen, wodurch die Arbeit eine besondere Spannung und Neugier erzeugte. Die Installation entfaltete ihre Wirkung nach und nach und lud dazu ein, sich intensiv auf ihre Atmosphäre einzulassen.
Durch die vielschichtige Verwendung unterschiedlicher Materialien und natürlicher Pigmente bringt Eyeta die Farben der Natur zurück in einen zeitgenössischen künstlerischen Diskurs. Ihre Arbeit eröffnet einen sensiblen Dialog zwischen Material, Erinnerung und Wahrnehmung. Die Jury war besonders von der Klarheit ihrer künstlerischen Haltung beeindruckt und sieht zugleich eine Position, die sich weiterhin entwickelt und ein großes Potenzial für die Zukunft erkennen lässt.
Besonders hervorzuheben ist ihr experimenteller Umgang mit Keramik. Eyeta kombinierte glasierte keramische Objekte mit roh gebrannten Keramiken und experimentierte mit der Anwendung von Salzwasser auf beide Zustände. Dabei untersuchte sie, wie sich Struktur, Oberfläche und Glasur verändern und auf natürliche Prozesse reagieren. Ihre Forschung macht Keramik als lebendiges Material erfahrbar, das sich im Austausch mit seiner Umgebung stetig wandelt und eröffnet damit neue Perspektiven auf das Medium.
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v.l.: Niquu Eyeta, Robert Schittko
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
Rundgangpreis für Film, Bewegtbild und zeitbasierte Medien der Johannes-Alexander-Schroth Stiftung
Der Rundgangpreis für bewegtes Bild und digitale Medien ist 2026 zum fünften Mal ausgeschrieben worden.
Dotierung: 3.000 Euro
Jury
- Oliver Hardt (Regisseur)
- Nina Mößle (Galerie Anita Beckers)
- Stefan Weil (Atelier Markgrpah)
Der Preis geht an Mila Elois Holl für »The Loop«.
Lobende Erwähnungen: Evgeni Muzalevski für »Kein Schweiß auf Holz und I don't love you anymore, baby« und für Ava Leandra Kleber »dirty data«.
Jurybegründung
Mila Elois Holl – The Loop
The Loop ist eine zeitgenössische Arbeit, die das Lebensgefühl einer jungen Generation zwischen Orientierungssuche, Selbstverortung und globalen Perspektiven eindrucksvoll einfängt. Aus eigenem Archivmaterial entwickelt Mila Elois Holl durch intuitives, eigenwilliges Editing eine prägende filmische Sprache. Fragmentierung, Verfremdung und Montage werden dabei zu einer dichten Reflexion über Wahrnehmung und Gegenwart. Das präzise Zusammenspiel von Bild und Sound schafft eine atmosphärisch starke Arbeit, die die Jury in ihrer künstlerischen Konsequenz und Eigenständigkeit überzeugt hat.
Lobenden Erwähnungen
Evgeni Muzalevski – Kein Schweiß auf Holz und I don't love you anymore, baby
Evgenis Arbeiten zeichnen sich durch eine konsequente künstlerische Haltung aus. Mit Bezügen zum Stummfilm, Surrealismus und Dada entwickelt er eine eigenständige Bildsprache von großer formaler Klarheit. Besonders hervorzuheben sind die sorgfältige Planung aller Szenen durch Storyboards sowie das vollständige In-Camera-Editing, mit dem eine historische filmische Technik überzeugend neu interpretiert wird. Die Verbindung aus Präzision, erzählerischem Reichtum und subtilem Humor macht die Arbeiten besonders überzeugend.
Ava Leandra Kleber – dirty data
»dirty data« überzeugt durch ein starkes Zusammenspiel von Konzept, Installation und Umsetzung. Die Arbeit setzt sich kritisch mit algorithmischer Selektion und Gender Bias in KI-Systemen auseinander und macht sichtbar, wie Daten gesellschaftliche Vorurteile reproduzieren. Das räumliche Setting verstärkt die unmittelbare Wirkung der recherchestarken, experimentellen Arbeit, die in ihrer Direktheit und gesellschaftlichen Relevanz überzeugt.
Die Jury gratuliert der Preisträgerin und den Ausgezeichneten herzlich und dankt allen Studierenden für die Vielfalt, Qualität und den künstlerischen Mut ihrer Arbeiten.
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v.l.: Moritz von Ilberg, Stefan Weil, Mila Elois Holl
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
Rundgangpreis für Bühnenbild/Szenischer Raum
Der von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Kulturstiftung der Städtischen Sparkasse Offenbach am Main gestiftete Rundgangpreis für Bühnenbild und Szenischer Raum ist 2026 zum neunten Mal ausgeschrieben worden.
Dotierung: 3.000 Euro
Jury
- Marietta Lüders (Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen)
- Philip Bußmann (Bühnenbildner, Künstler)
- Isabell Ratzinger (Künstlerin, HfG-Alumna)
Der Preis geht an Josephine Krämer für »Das Herz eines Boxers«.
Jurybegründung
Das Bühnenbild von Jospehine Anna Krämer »Das Herz eines Boxers« hat uns überzeugt. Es handelt sich dabei um ihre Bachelorarbeit und wurde von Nina Zoller betreut. Im Rahmen der Brüder Grimm Festspiele in Hanau gelang es Krämer, in enger Zusammenarbeit mit Werkstätten, Regie und Kostümbildner_innen ein komplettes Bühnenbild zu dem Stück »Das Herz eines Boxers« von Lutz Hübner zu realisieren. Ein vermeindlicher Strafgefangener muss seine Pflichtstunden in einem Altersheim ableisten und es entspinnt sich eine ungewöhnliche Beziehung mit einem der Bewohner. Krämers Bühnenbild war open air in der wallonischen Ruine in Hanau eingebaut und durch zwei Schauspieler bespielt worden. Durch unterschwellige architektonsiche Eingriffe wie Türrahmen in der Höhe von 1,70 m oder zu kleinen Fenstern wurde eine gefühlte und visuelle Enge erzeugt, die die Schauspieler zum Kopfeinziehen zwang. Es ist ihr gelungen, einen Kontrapunkt zum historischen Ensemble zu setzen, indem sie einen Mintton aus dem Interieur von Altersheimen aus den 90er-Jahren abgeleitet hat. So leistet die Arbeit einen grundsätzlichen Beitrag in unserer immer älter werdenden Gesellschaft. Im Lauf der Aufführung wurde die einheitlich gefärbte Szenografie durch einen Schauspieler schrittweise knallrot überstrichen. Die handwerkliche Umsetzung vom Modell, über die Zeichnungen bis hin zur Abagbe sowie die Votragspraxis von Jospehine Krämer überzeugte die Jury durch eine hohe Professionalität. Die Jury entschied einstimmig und dankt allen Teilnehmenden für die eingereichten Arbeiten. Liebe Josephine Krämer, wir gratulieren dir herzlich und wünschen Dir alles Gute für deinen weiteren künstlerischen Weg!
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v.l.: Josephine Krämer, Marietta Lüders
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
Rundgangpreis Deutsche Börse Photography Foundation
Der Rundgangpreis Deutsche Börse Photography Foundation für künstlerische Fotografie ist in diesem Jahr zum 16. Mal ausgeschrieben worden.
Dotierung: 3.000 Euro
Jury
- Cornelia Siebert (Junior-Kuratorin Deutsche Börse Photography Foundation)
- Alexandra Lechner (Fotografin in Frankfurt a.M.)
- Barbara Klemm (Fotografin)
Der Preis geht an Kerstin Weiser für ihre Serie »Von Sandburg zu Sandburg«.
Jurybegründung
Kerstin Weiser überzeugte die Jury mit ihrer Serie »Von Sandburg zu Sandburg«, in der sie den Spielplatz als gestalteten Erfahrungsraum untersucht und sich mit dessen spezifischer Architektur auseinandersetzt. Dabei richtet sie ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf die skulptural erscheinenden Spielgeräte in intensiven Primärfarben und ausgefallenen Formen. In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung, die sie in Deutschland begann und in Japan fortführte, sind diese Ausgangspunkt einer durchdachten Inszenierung. Weiser lässt Personen in farblich abgestimmter Kleidung auf die Geräte klettern und fotografiert sie so, dass ihre Körper als Fortsetzungen der organisch gestalteten Objekte erscheinen. Die Spielgeräte erscheinen so nicht länger als Gebrauchsobjekte, sondern als surreale, autonome Formen. Der Einsatz eines harten Blitzlichts verleiht den aufgenommenen Strukturen darüber hinaus eine nahezu abstrakte und grafische, zweidimensionale Anmutung. Mit einer ebenso eigenständigen wie kraftvollen Bildsprache gelingt es Kerstin Weiser in »Von Sandburg zu Sandburg«, unsere Sehgewohnheiten durch ungewöhnliche Perspektive herauszufordern. Mit dem gezielten Einsatz ihrer Kamera schafft sie eine Inszenierung, die den Spielplatz zugleich als realen Ort und abstrakten Bildraum erfahrbar macht.
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v.l.: Cornelia Siebert, Kerstin Weiser
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
Rundgangpreis Bildhauerei der Arenova GmbH – The Arenova GmbH Sculpture award
Der Rundgangpreis für Bildhauerei ist 2026 zum vierten Mal ausgeschrieben worden. Eingereicht werden konnten bildhauerische Arbeiten und Projekte aus dem Fachbereich Kunst.
Dotierung: 5.000 Euro
Jury
- Juliane Bischoff (Kuratorin Portikus)
- Maja Liseswski (Kuratorin Städel)
- James Gregory Atkinson (Künstler)
Der Preis geht an Stasia Grishina für »Enjoy a sense of freedom and tranquility«.
Jurybegründung
Stasia Grishinas Arbeit überzeugte durch ihre Klarheit, präzise Umsetzung und die souveräne Vermittlung ihrer künstlerischen Position. Ausgehend von einem anarchistischen, russischen Song der 1990er-Jahre übersetzt sie dessen zentrale Botschaft (»Liberty or Death« / »Freedom or Death«) in eine räumlich inszenierte typografische Installation aus gefundenem und wiederverwendetem Holz. Die sichtbaren Spuren der Vornutzung bleiben im Material eingeschrieben und verweisen auf unterschiedliche Kontexte, Gebrauchsgeschichten und Erinnerungsschichten.
Indem Grishina die politische Aussage in eine scheinbar vertraute, kommerziell anmutende Typografie überführt, thematisiert sie Strategien der Verschleierung sowie ebenso die mögliche Entleerung politischer Inhalte durch Prozesse der Kommodifizierung. Besonders überzeugend ist dabei die Materialität der Arbeit: Die aus gesammelten Holzstücken entwickelte Schrift wird als skulpturales Objekt im Raum erfahrbar und gewinnt durch ihre erhöhte Platzierung auf dem Boden zusätzliche Präsenz. Eine subtile humorvolle Ebene entsteht durch die Integration unerwarteter Elemente wie eines taxidermischen Objekts. Diese produktive Irritation erweitert den konzeptuellen Gehalt der Arbeit und verweist auf die komplexen Beziehungen zwischen Kommerz, Gewalt und Subversion.
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v.l.: Stasia Grishina, Udo Wasmer
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
Rundgangpreis für Kunsttheorie der Schleicher-Stiftung für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit 2026
Die Schleicher-Stiftung hat den Theoriepreis im Fachbereich Kunst 2026 zum achten Mal ausgelobt. Das Preisgeld ist durch die Förderung der Schleicher-Stiftung seit 2018 für die kommenden Jahre gesichert und würdigt jährlich die beste schriftlich-theoretische Diplomarbeit aus dem Fachbereich Kunst.
Dotierung: 1.500 Euro
Jury
- Diplomkonferenz Fachbereich Kunst
Der Preis geht an Oleg Komarov.
Jurybegründung
Oleg Komarov widmet sich dem Thema »Politische Abstraktion«. Doch irrt, wer den Titel so versteht, als werde nun vom Politischen abstrahiert, es erübrige sich also. Vielmehr versammelt diese Theoriediplomarbeit Beispiele jüngerer Kunst, in denen das Politische vom vordergründigen Inhalt hinüber in die abstrakte Form oder den diagrammtischen Aufbau des jeweiligen Werkes gewechselt hat – nämlich in die »Struktur der Sichtbarkeit selbst«, wie Komarov sagt.
Rundgangpreis der Künstlerhilfe Frankfurt e.V.
Der Preis für den Schwerpunkt Kunst ist zum 13. Mal ausgelobt worden.
Dotierung: 3.000 Euro
Jurorin
- Christiane Cuticchio (Kuratoriumsmitglied Frankfurter Künstlerhilfe)
Der Preis geht an James Banks für seine Arbeit »Gewitter im Kopf«.
Jurybegründung
Couragiert und präzise bearbeitet Banks seine Erfahrungen als Epilepsiepatient.
Eine tief persönliche Angelegenheit, deren Endgültigkeit er eine ästhetische Form zu geben vermag, indem er aus den banalen Materialien der Medikamentenverpackungen attraktive Skulpturen fertigt und einen Block aus Keramikmaterial, der die 923416 mg seines bisherigen Tablettenkonsums, auf einer Art Krankenhaustablett, edel visualisiert.
Alltägliche medizinische Gebrauchsgegenstände künstlerisch aufzuladen, ist überraschend und verstörend zugleich und führt Betrachterinnen auf das Terrain der medizinischen Behandlung. Mit Videos, die den Sound der Blister und Interviews mit Mitpatientinnen wiedergeben, öffnet Banks den privaten Bereich ins Allgemeine und gibt einen Einblick in die Lebensrealität von Menschen mit Epilepsie.
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v.l.: Susanne Haupt, James Banks, Christiane Cuticchio
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
Rundgangpreis »Fragile Gegenwarten« des Kunstvereins Mañana Bold
Der Rundgangpreis »fragile Gegenwarten« ist 2026 zum zweiten Mal ausgeschrieben worden. Er richtet sich an Studierende aller Lehrgebiete. Ausgezeichnet werden Arbeiten, die unmittelbare, sinnliche Resonanz- und Erfahrungsräume eröffnen. Im Fokus stehen Konzepte, in denen Zeitlichkeit – ihre Flüchtigkeit, Vergänglichkeit und prozessuale Entfaltung – eine zentrale Rolle spielt. Dies betrifft sowohl mediale und materielle Prozesse als auch Beziehungsgefüge und die Interaktion mit dem Publikum – sei es betrachtend oder hörend. Gefördert werden sollen experimentelle, körperlich erfahrbare und atmosphärisch dichte künstlerische Ansätze – insbesondere performative und klangbasierte Arbeiten, aber auch installative Formate und interdisziplinäre Projekte.
Dotierung: 2.000 Euro.
Die/der Preisträger_in erhält zudem die Gelegenheit, mit einem zusätzlichen Projektbudget und gemeinsam mit dem Kuratorium von Mañana Bold ein Format für das Programm des Vereins 2025/26 zu entwickeln.
Jury
- Aileen Treusch (Kuratorin, Galerie 3AP, Vorstand Mañana Bold)
- Nina Queissner (Künstlerin, Vorstand Mañana Bold)
- Aleksandar Radan (Künstler, HfG-Alumnus, Vorstand Mañana Bold)
Der Preis geht an Carla Nagel für »Toleranzbereiche«
Lobende Erwähnungen: Kollektiv um Maex Hoellenblau; Mina Asgari; Loukas Adamantios Anezakis; Nico Joel Helbling; Seongsin Lee
Jurybegründung
Carla Nagels intensive Auseinandersetzung mit Formularen und ihren buchstäblich »ausfüllbaren Feldern«, die einerseits als Potenzial fungieren, andererseits als Muster, in das nicht jedes persönliche Anliegen passen mag, lässt die fragile Gegenwart individueller Lebensgeschichten ebenso wie gesellschaftlich verwobener Realitäten in den Zwischenräumen aufscheinen.
Innerhalb der Werkgruppe greifen verschiedene, von der Künstlerin entwickelte Erzählungen ineinander. Aus Collagen entstehen vertonte Notationen und Ausgangssituationen für insgesamt vierzehn Kurzgeschichten um fünf Protagonist_innen, die Nagel in einer Lesung zu einem vielschichtigen narrativen Gefüge verbindet.
Die konsequente Weiterentwicklung des Ausgangsmaterials in unterschiedliche erzählerische Medien, die mühelos zu einem ebenso ernsthaften wie humorvollen und zugleich offenen Ganzen zusammenfinden, überzeugte die Jury.
Die Jury möchte darüber hinaus folgende Arbeiten besonders hervorheben:
Maex Hoellenblau (Alexandra Kerstin Weiß Gonzalez), Nadja Barthel, Fan-Yu Pu, Diego Seipel Soubier, Barnabas Vollmar, Laslo Chenchanna, Lina Jebram, Carina Palvik (und weitere Personen) entwickeln mit »BAUKLÖTZE« eine ebenso energiegeladene wie präzise inszenierte Videoarbeit, die kollektive Transformationsprozesse als poetischen und politischen Möglichkeitsraum begreift. Die Verbindung aus Musik, Performance und filmischer Inszenierung überzeugt durch ihre hohe gestalterische Qualität und die Selbstverständlichkeit, mit der kollektives Arbeiten selbst zum künstlerischen Prinzip wird.
Mina Asgari spürt in »+98« – der Titel ist zugleich die Ländervorwahl für Iran – einer oft erschwerten Überbrückung von Distanzen, geographisch wie in Bezug auf die eigene Herkunft und Erinnerung, nach. Überzeugt hat die schlichte und gleichzeitig kraftvolle Präsenz der Cyanotypien, belichtet aus menschlichen Körpern und abgelegten Kopftüchern. Installativ wie großformatige Wäschestücke gehängt beziehen sie sich auf den fragilen Kontakt einer Telefonverbindung zwischen Familienmitgliedern, aber auch die Kraft kollektiver physischer Präsenz in Situationen gesellschaftlichen Umbruchs
Loukas Adamantios Anezakis schafft mit »νῦν νόστος« einen atmosphärisch dichten Erinnerungsraum, in dem Video, Klang und Material zu einer poetischen Reflexion über Zeit, Herkunft und Wiederkehr verschmelzen. Die fragmentarische Bildsprache und die sensible Komposition der Soundlandschaften eröffnen eine vielschichtige Erfahrung, in der Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen präsent bleiben.
Nico Joel Helbling überzeugt mit »Glaube und Hoffnung an das Vorwärtsgehen« durch eine persönliche und zugleich gesellschaftlich anschlussfähige Auseinandersetzung mit Orientierungslosigkeit, Unsicherheit und Resilienz. Die vielteilige Installation verbindet Sprache, Video, Fotografie und skulpturale Elemente zu einem eindringlichen Erfahrungsraum, der existenzielle Fragestellungen mit großer Unmittelbarkeit verhandelt.
Seongsin Lee entwickelt mit ihrer raumgreifenden Installation eine überzeugende Übersetzung musikalischer Zeitlichkeit in Bewegung, Licht und mechanische Prozesse. Die Verbindung von Sound, Robotik und visueller Komposition macht Zeit als fragiles, irreversibles und zugleich künstlich manipulierbares Phänomen sinnlich erfahrbar und eröffnet eine eigenständige synästhetische Perspektive auf das Thema der Gegenwart.
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v.l.: Aileen Treusch, Carla Nagel, Ellen Wagner
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
Rundgangpreis Liebe zur Kunst
Zum Rundgang 2026 wurde erstmalig der von HfG-Student Sebastian Woitscheck gestiftete Rundgangpreis Liebe zur Kunst ausgelobt. Alle, die eine künstlerische Arbeit zum Rundgang der HfG Offenbach präsentieren, sind eingeladen, sich zu bewerben.
Dotierung: 500 Euro
Jury
- Erika Neumann
- Tong Yang (Kurator)
- Holm-Uwe Burgemann (Künstlerische Leitung Praeposition)
Der Preis geht an Camila Chinchilla und Nelly Habelt.
Jurybegründung
Für den bewundernswerten Umgang mit den Enden der Liebe und der zum Gruß ausgestreckten Hand, die fremd bleibt, bis wir sie zu ergreifen, verleihen wir den Rundgang-Preis »Liebe zur Kunst« zu gleichen Teilen an Camila Chinchilla und Nelly Habelt.
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v.l.: Sebastian Woitschek, Nelly Habelt, Camila Chinchilla
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
DAAD-Preis 2026 für hervorragende Leistungen internationaler Studierender
Seit mehr als 15 Jahren zeichnet die HfG Offenbach zum Rundgang internationale Studierende für ihr ausgeprägtes soziales, gesellschaftliches oder interkulturelles Engagement mit dem DAAD-Preis aus. Die Mittel stammen vom Deutschen Akademischen Austauschdienst in Bonn (DAAD). Dieses Jahr wurde der Preis turnusgemäß im Fachbereich Kunst ausgeschrieben.
Dotierung: 1.000 Euro
Jury
- Prof. Dr. Marie-Hélène Gutberlet (Studiendekanin FB Kunst)
- Prof. Gunter Reski (Malerei)
- Jana Wardag (Programme Coordinator)
Der Preis geht an E. Elif Gönüllü.
Jurybegründung
E. Elif Gönüllü bereichert unsere Hochschulgemeinschaft in besonderer Weise. Während ihrer Zeit an der Hochschule hat sie eine beeindruckende künstlerische und persönliche Entwicklung durchlaufen. In ihren Arbeiten verbindet sie Zeichnung und Objektkunst mit großer Experimentierfreude und setzt dabei vielfältige Materialien ein, um ihrer künstlerischen Sprache Ausdruck zu verleihen. Mit Mut und Haltung widmet sie sich zudem gesellschaftlich und politisch relevanten Themen und verleiht ihnen eine eindrucksvolle künstlerische Form. Ihr bisheriger Weg zeugt von Engagement, Konsequenz und einer bemerkenswerten künstlerischen Reife. Er macht Mut und ist für viele Studierende eine Inspiration.
Eine besondere Anerkennung gilt außerdem Amir Firouzirad, Fatemeh Jabbari, Han Kwon Kim und Aleksandra (Sasha) Mishchanka. Auch sie haben mit ihrem künstlerischen Engagement, ihrer individuellen Handschrift und ihrem Beitrag zum lebendigen Austausch an unserer Hochschule die Jury nachhaltig beeindruckt.
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v.l. Kerstin Cmelka, E. Elif Gönüllü
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
Rundgangpreis für Materialdesign der Dr. Marschner Stiftung
Die Dr. Marschner Stiftung hat 2026 zum siebten Mal den Preis für Materialdesign ausgeschrieben. Besondere Beachtung sollten Entwürfe/Konzepte finden, die sich in experimenteller Weise mit den Prozessen gestalterischen Forschens auseinandersetzen.
Dotierung: 4.000 Euro
Jury
- Mi Düver (Designer, HfG-Alumnus)
- Julia Kulaga (Designerin, HfG-Alumna)
- Marius Perl (Designer, HfG-Alumnus)
Der Preis wurde dreigeteilt:
- 1. Platz: Simon Hanke für »becoming Form«(2.000 Euro)
- 2. Platz: Christina Isabell Anderson für »KOKON« (1.500 Euro)
- 3. Platz: Constantin Menzel (500 Euro)
Jurybegründung
Simon Hanke kombiniert traditionelles Handwerk und neue Technologien so dass die Vorteile beider zum Vorschein treten. Tradition wird nicht ersetzt sondern neu gedacht. Simon Hanke versucht auch kein neues Material zu entwerfen sondern etabliertes neu zu interpretieren.
Christina Isabell Andersons »KOKON« zeichnet sich durch die visuelle Übersetzung der Kontraste zwischen natürlicher und artifizieller Materialgestaltung aus. Sie hat natürliche Kokons poetisch interpretiert und geschickt visualisiert.
Constantin Menzels topologisches Verbindungssystem zeigt Potenzial hinsichtlich Skalierung und Materialität weiter zu denken.
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v.l.: Hansjörg Koroschetz, Christina Isabell Anderson, Simon Hanke
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
HfG Rundgangpreis der FAZIT-Stiftung
Illustration und Grafikdesign, Kommunikationsdesign, Typografie/Type Design, Informationsdesign
Zum 13. Mal wurde im Rahmen des Rundgangs 2026 der Preis der FAZIT-Stiftung verliehen. Die Dotierung beträgt insgesamt 5.000 Euro, wobei zwei Preise an den Fachbereich Kunst (Illustration und Grafikdesign, Kommunikationsdesign, Typografie/Type Design) und einer an der Fachbereich Design (Information Design) gehen.
Jury
- Carolin Blöink (Stiftung Buchkunst)
- Mathias Bär (Kommunikationsdesigner, HfG-Alumnus)
- Anna Pirot (Bureau Mitte)
Mit dem Preis ausgezeichnet wurden
- 1. Preis mit 2.000 Euro dotiert: Sallar Shayegan für »toneframe – touch and hear«
- 2. Preis mit 1.500 Euro dotiert: Nathanja Fetzner für »Not Here for Decoration«
- 2. Preis mit 1.500 Euro dotiert: Quirin Fürbeck für »Flaschenpost aus der Abschiebehaft«
Lobende Erwähnung: Lea Sophie Krempin für »Mental Orbit«
Jurybegründung
Der erste Preis geht an Sallar Shayegan mit »toneframe – touch and hear«. Das Projekt verbindet überzeugend Klangkunst und Interaction Design. Es macht Kunstwerke über Berührung und Ton unmittelbar erlebbar – nicht als technische Farbübersetzung, sondern als eigenständiges klangliches Erlebnis. Mit einem Fokus auf blinde und sehbehinderte Menschen entsteht dadurch zusätzlich ein inklusiver Zugang zu visueller Kunst, der neue Wahrnehmungsformen ermöglicht.
Die beiden zweiten Preise gehen an Nathanja Fetzner und Quirin Fürbeck. Nathanja Fetzners skulpturales Projekt »Not Here for Decoration« überzeugt durch Klarheit. Ein überdimensioniertes Schmuckstück nimmt Raum ein, versperrt den Weg und verlangt auf diese Weise die Auseinandersetzung mit diesem. Das Ornament als potenziell weiblich favorisierte Thematik, vermeintliche ohne Funktion, wird damit zum Diskussionsraum über die Qualitäten des Dekorativen.
Die Publikation »Flaschenpost aus der Abschiebehaft« hat Tiefe und Detail, sowohl thematisch als auch in der physischen Umsetzung. Das „Klapperfeld“ als ehemaliges Frankfurter Polizeigefängnis ist Ausgangspunkt und Analyseort für händisch hinterlassenen Nachrichten, die Gefangene an den Wänden hinterlassen haben und stellt die Frage, weshalb dieses einseitige Kommunikationsbedürfnis entsteht. Die formelle Auseinandersetzung in der Publikation zum Thema wurde in sämtlichen Details schlüssig gewählt.
Eine lobende Erwähnung erhält Lea Sophie Krempin mit ihrer Arbeit »Mental Orbit«. Sie untersucht, wie psychische Unruhe und Stress, die durch extreme Isolation im All entstehen, gemindert werden können. Durch die Verbindung von digitalen Visualisierungen des mit Sensoren gemessenen Stressniveaus und einem Bordbuch, das mit haptischen Irritationen arbeitet, soll der Stress der Isolation als körperliches Erlebnis spürbar gemacht werden, um so zur psychischen Stabilisierung beizutragen.
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v.l.: Mathias Bär, Sallar Shayegan, Quirin Fürbeck, Nathanja Fetzner
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze
Rundgangpreis für Awareness und Empowerment
Mit dem Preis wird eine Arbeit ausgezeichnet, die sich inhaltlich, strukturell, formal, theoretisch, ästhetisch und/oder politisch mit dem Thema Gleichstellung und Diversität auseinandersetzt. Der Preis wurde 2026 zum achten Mal verliehen und ist für beide Fachbereiche offen.
Dotierung: 2.500 Euro
Jury
- Ursula Grünenwald (Kunsthistorikerin und Autorin)
- Maria Sitte (Kunstwissenschaftlerin, Kuratorin)
- Kira Bernauer (Designerin, HfG-Alumna)
Der Preis geht zu gleichen Teilen an Nelli Gomez Baumert für »Trabajar para vivir« (Kunst) und Emelie Trenkler für »Haltung hinterfragen« (Design).
Lobende Erwähnungen spricht die Jury für »Kapwa« von Denise Go Siong und »Gaze Warning« von Rosa Viktoria Ahlers aus.
Jurybegründung
Der Kurzfilm »Trabajar para vivir« (»Arbeiten um zu Leben«) von Nelli Gomez Baumert über die Migrationsgeschichte der vier Spanierinnen Loli, Conchi, Kuqui und Encarna überzeugt durch seine milieusensible, intersektionale, (post-)migrantische, klassenbezogene und historische Spannweite. Einen bleibenden Eindruck haben die im Mittelpunkt stehenden persönlichen Erzählungen der Frauen über ihre Diskriminierungserfahrungen und ihre Rollen als Mütter, Ehefrauen, Freundinnen, Arbeiterinnen und Hausfrauen hinterlassen. Beeindruckt hat uns dabei die feinfühlige und monatelange Beziehungsarbeit von Nelli Gomez Baumert, die im Kurzfilm deutlich wahrnehmbar ist. »Trabajar para vivir« gibt den migrantisierten Frauen eine eigene Stimme und zeichnet ein differenziertes Bild vom gesellschaftlichen Umgang mit intersektionalen Erfahrungen von Migration und Ausbeutung seit dem deutsch-spanischen Anwerbeabkommen von 1960 in der Bundesrepublik Deutschland. Neben den Interviewszenen tragen dokumentarische Aufnahmen ihrer Arbeits- und Wohnorte sowie private Fotografien humorvolle und bewegende Spuren ihres Alltags in den Kurzfilm ein, die ebenso von Selbstbestimmung und Solidarität erzählen.
Welchen Beitrag kann Produktdesign für eine gesunde und inspirierende Lernumgebung in Grundschulen leisten? Dieser Frage hat sich Emelie Trenkler in ihrer beeindruckend umfangreichen Recherche gewidmet. Ausgehend von ihren ersten Nachforschungen zu stigmatisierten bodennahen Sitzmöglichkeiten schlägt sie mit ihrem Prototyp »Ali« eine überzeugende Transformation des klassischen Holzstuhls vor und entwickelt ein gesundheitliches, ergonomisches und pädagogisches Gegen-Modell. Überzeugt hat uns die im dialogischen Prozess mit Kindern und Schüler*innen entwickelte Genese des Projektes. »Ali« weckt nicht nur durch seine experimentelle Form das Interesse, sondern bietet die Möglichkeit des Sitzens, Liegens, Stehens und Hängens. Auch die auf die Diversität der Schulklassen eingehende Namensgebung des Modells fanden wir konsequent durchdacht. Der visionäre Ansatz, nicht nur einen neuen Möbeltypus zu entwickeln, sondern damit auch die Art des Lernens zu überdenken und zu transformieren, möchten wir mit dem Preis würdigen.
Lobende Erwähnungen: Explizit erwähnen möchten wir die Arbeiten »Kapwa« von Denise Go Siong und »Gaze Warning« von Rosa Viktoria Ahlers. Mit der Thematisierung von sexualisierter Gewalt und der Sensibilisierung im Umgang mit gewaltverherrlichenden Darstellungen in künstlerischen wie musealen Kontexten nimmt Rosa Viktoria Ahlers in ihrem Werk eine überzeugende und überaus relevante Gegen-Position ein, in der wir sie gerne weiter bestärken möchten. Die Arbeit von Denise Go Siong hat uns durch das Zusammenspiel von materieller und sozialer Nachhaltigkeit und durch ihren community-basierten Ansatz beeindruckt, den wir in Zeiten knapper werdender Ressourcen und gesellschaftlicher Vereinzelungstendenzen, als ebenso wichtig erachten.
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v.l.: Emelie Trenkler, Ursula Grünenwald, Nelli Gomez Baumert
Foto: HfG Offenbach/Marie Schwarze