Leitbild Lehre

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Einleitung

Dieses Leitbild versteht sich als eine auf Studium und Lehre fokussierende Ergänzung der hfg21-Leitgedanken. Es benennt allgemeine Charakteristika von Lehre und Lernen an der HfG und wird seinerseits ergänzt durch die Studienordnungen, die Qualifikationsziele für die Studiengänge und einzelnen Module festlegen.

1.  Allgemeine Charakteristika von Lehre und Lernen

Die Vielfalt der Lehr- und Lernhorizonte ist charakteristisch für die HfG Offenbach.

Adaptives Arbeiten: Das Studium befähigt zur selbständigen Frage- und autonomen Lösungsfindung sowie zum experimentellen, zieloffenen, auch nicht-linearen Arbeiten und zum produktiven Umgang mit Hindernissen. Studierende können einen individuellen künstlerischen/gestalterischen Workflow entwickeln. 

 Positionierung: Studierende erlangen ihre eigene künstlerische/gestalterische Position in einer sich stets verändernden Welt. Voraussetzung dafür sind die Fähigkeit zur Außen­wahrnehmung bzw. zur Wahrnehmung externer und vorangegangener Positionen und Perspektiven in Wechselwirkung mit dem Erschließen der eigenen Fähigkeiten, Möglich­keiten und Haltungen sowie der Entwicklung eines kritischen Urteilsvermögens.

 Kollaboration: In vielen Lehrveranstaltungen können Studierende gemeinsame Zugänge und Strategien in Teams, Gruppen und durch Kollaboration erarbeiten. Diese zielen auch darauf ab, konstruktives Feedback zu geben sowie dieses annehmen und produktiv nutzbar zu machen.

 Ästhetischer Transfer: In der künstlerischen/gestalterischen Lehre können nicht allein die Werke bzw. Projekte, sondern kann auch die Kommunikation darüber verbal, visuell, akustisch oder performativ erfasst werden.

 Professionalisierung: Ergänzend zu künstlerischen/gestalterischen Kompetenzen qualifiziert die HfG durch die Vermittlung von weiterer berufsrelevanter und überfachlicher Expertise. Studierende werden darauf vorbereitet, sich nach dem Abschluss selbstständig und selbstbewusst in professionellen Kontexten zu etablieren. Spezialisierungen und der Eintritt in den Kunst- und Designmarkt werden begleitet und unternehmerisches Denken und Handeln wird gefördert.

 Projektarbeit: Künstlerische/gestalterische Prozesse lassen sich theoretisch nicht hin­reichend erschließen oder gar vorwegnehmen, sondern werden in konkreter Arbeit am Projekt erfahren. Auch wenn am Ende ein bestimmtes Produkt, eine Ausstellung, eine Aufführung o. ä. entsteht, liegt der Fokus ebenso auf dem dahin führenden Prozess.

Lehrgebiete, Werkstätten und Labs: Neben den grundlegenden, konzeptionellen Kenntnissen sowie historischen und systematischen Fragestellungen zu Kunst und Ge­staltung, die in den praktischen und theoretischen Lehrgebieten vermittelt werden, werden analoge und digitale künstlerische/gestalterische Techniken und Fertigkeiten und ihre jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Implikationen in den zahlreichen Werk­stätten und Labs der HfG gelehrt. Die Konzentration liegt auf der Handhabung und An­wendung genauso wie dem Experimentieren und Erforschen älterer und neuerer Materialien, Medien und Technologien, Ziel ist die Entwicklung einer professionellen und individuellen Darstellungsstrategie.

KI & Digitalität: Digitalität wird nicht allein als technisches Werkzeug verstanden, sondern als künstlerischer/gestalterischer Erfahrungs-, Denk- und Handlungsraum. Studierende erhalten die Möglichkeit, digitale und neue technologische Verfahren kennenzulernen, ihre Potenziale experimentell auszuloten und sie als Bestandteil eigener künstlerischer und gestalterischer Prozesse zu reflektieren. Zugleich wird ein kritischer, verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien, ihren materiellen und immateriellen Ressourcen sowie ihren gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Implikationen vermittelt. Eine be­sondere Rolle kommt dabei der Arbeit mit Systemen künstlicher Intelligenz zu, die als Teil zeitgenössischer Praxis begriffen werden und – reflektiert eingesetzt – als ko-produktiver Bestandteil künstlerischer/gestalterischer Arbeit fungieren können.

Besonderheiten FB Kunst:

Das programmatisch interdisziplinär angelegte Studium zielt nicht auf ein bestimmtes Tätigkeitsfeld mit festen Anforderungen ab, vielmehr gehört es zu den Studieninhalten, vor dem Hintergrund verschiedener beruflicher Perspektiven auch eigene Qualifikationsziele festzulegen.

Durch die während des Studiums erworbenen Kenntnisse und die kritische Reflexion zu historisch und aktuell sich wandelnden Idealen der Kunstwelt werden Studierende dazu befähigt, fundierte und innovative Entscheidungen über ihren Lebensweg als Künstler_innen auch über ihr Studium hinaus autonom treffen und gestalten zu können.

Indem der FB Kunst sich gegen ein vorgegebenes konsekutives Curriculum entschieden hat, sind Studienverläufe meist weniger gradlinig. Das ist kein Defizit, sondern eröffnet Frei­räume für eine individuelle künstlerische Entwicklung. In den, in Bezug auf das jeweilige Vorwissen der Studierenden, heterogenen Lehrveranstaltungen lernen die Studierenden stets auch voneinander.

Zugunsten eines Ausprobierens im geschützten Umfeld verzichtet der FB Kunst in den ersten Fachsemestern gänzlich, danach weitestgehend, auf eine Benotung künstlerischer Arbeiten.

  

2. Selbstverständnis der Lehrenden

Konstruktives Feedback: Die Lehrenden sehen es als ihre Aufgabe, durch konstruktives Feedback auf Potenziale der Weiterentwicklung hinzuweisen. Dabei ist ein respektvoller, wertschätzender und zukunftsorientierter Umgang miteinander entscheidend.

Offenheit: Die Lehrenden bieten den Studierenden Freiräume, in denen sie sich geschützt ausprobieren und eigene Haltungen und Positionen entwickeln können.

Begleitung: Durch Vorschläge, Anregungen und Rückmeldungen begleiten sie diese Entwicklung und ermöglichen den Studierenden den Zugang zu neuen Räumen -- im wörtlichen wie übertragenen Sinne.

Trotz unterschiedlicher Kompetenzen begegnen Lehrende und Studierende einander auf Augenhöhe.

3.  Qualitätssicherung

Lernprozesse und ihre Erfolge sind an einer Kunsthochschule sind nicht immer direkt mess- oder eindeutig ablesbar. Daher sollen Feedbackformate in erster Linie Reflexionsgrundlage für die Lehrenden sowie Anlass zur Kommunikation über die Ziele und Methoden der eigenen Lehre sein.

4.  Sensibilisierung, Diversität, Gleichstellung

Ein respektvolles, wertschätzendes Miteinander wird an der HfG als Grundlage für ein gutes und produktives Lehr- und Lernklima gesehen. Die Hochschule setzt sich für die Prävention von Diskriminierung, Machtmissbrauch und sexualisierter Belästigung ein. Diversität und Gleichstellung sind als zentrale Anliegen in der akademischen Zusammen­arbeit und in der Lehre verankert, um ein inklusives Umfeld zu schaffen. Vertrauens­personen und Beauftragte der HfG unterstützen betroffene Personen und schaffen weitere Austausch- und Beratungsformate.