Lennart Schweigert: Verlust des Daches
Einzelausstellung von HfG-Alumnus Lennart Schweigert
Zwei geometrische Formen, wie Bausteine übereinander und ineinander verschoben. Ein Haus; versehentlich figuriert, aber seit jeher Schutzpatron unserer zerbrechlichen Glieder. Was macht das Haus zum Haus? Und was passiert mit der allgemeinen Sicherheit dieser trauten Figur, wenn man ihr das Wesentliche nimmt? Nicht zerstörend oder beraubend, sondern dekonstruktivistisch, humorvoll und psychologisch.
Das dekonstruierte Haus ist vor allem den kleinsten spielenden Menschen (Homo ludens) nur allzu bekannt: das Puppenhaus. Es ist berühmt für seinen architektonischen Querschnitt, was zwar primär praktische Gründe hat, aber auch mit Nachteilen für dessen Bewohner_innen einhergeht: frontale Zugluft, klebrige Hände, keinerlei Privatsphäre. Immerhin bleibt den Miniaturbewohner_innen der minimale Schutz des Daches; ganz nach dem Prinzip der Schachtelpuppe befindet sich das kleinere Haus sicher im Bauch des größeren Hauses. Wenn die kleinsten Menschen dem Spielen des kleinsten Hauses entwachsen sind, landet es meist auf dem Dachboden – nicht ahnend, dass auch diese Sicherheit ihnen möglicherweise bald abhandenkommt.
Diesen vulnerablen Moment greift Lennart Schweigert in seinen Werken spielerisch auf. Dächer verpuffen, ganze Gebilde werden wie Schiffe versenkt, Schutzräume verschwinden, Unruhe wird gestiftet und vertraute, einst heimelige Figuren lösen sich auf. Im Verlust des Daches liegt der Kontrollverlust der eigenen Persona, die man einstweilen an einem konkreten Ort zum Ruhen (und Rosten) unterbringen konnte. Gedanken, Gefühle, gekoppelt an eine simple geometrische Form. Das Dach der Welt ist kein Berg, vielleicht eher noch die Wolken, die einen (wie gute Freunde) vor dem urteilenden Blick der Sterne abschirmen, die viel zu alt für unsere irdische Frische und Naivität sind.
Lennart Schweigerts prosaische Werktitel verleihen den Motiven einen intrinsischen Charakter und wirken in turbulenten Zeiten als eine Art atmosphärischer Comic Relief. Seine Titel verstehen es, eher zufällig Fragen zu öffnen, statt sie konkret zu stellen. Aus der eigenen Ambivalenz gegenüber altbackenen sowie archaischen Figuren eröffnet Lennart Schweigert Raum für neue Geschichten; mal lustvoll, mal melancholisch und meistens persönlich und hoffentlich immer eine Spur peinlich.
Lennart Schweigert (*1996, Frankfurt am Main, DE) lebt und arbeitet in Köln. Er studierte Malerei bei Gunter Reski an der HfG Offenbach sowie bei David Ostrowski an der Kunstakademie Karlsruhe. Seit 2021 ist er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Seine Arbeiten wurden bereits in zahlreichen Ausstellungen präsentiert, darunter in der Zollamt Galerie (2022) sowie im Magma Maria (2023) in Offenbach, in der Galerie Heike Strelow (2025) in Frankfurt am Main sowie zuletzt als Einzelausstellung im La Felce (2025) in Köln.
Mit der Ausstellung »Verlust des Daches« markiert Lennart Schweigert den Auftakt des Programmjahres 2026 der JVDW gallery.
6. Februar bis 7. März 2026
JVWD Galerie
Düsseldorf