14 September bis 31. Dezember 2021

Station Ledermuseum

Station Ledermuseum

Ein Ausstellungsprojekt des Lehrgebietes Fotografie mit Verdiana Albano, Laura Brichta, Ruth Neubert, und Johanna Schlegel.

»Der Körper eines Tieres ist Vergangenheit, zur Fläche des Leders transformiert.
Auch die Fotografie zieht der Wirklichkeit die Haut ab und formt eine neue Realität. Die Vergangenheit des Moments und die Realität des Raumes werden zum transportablen Bild. Diese Abzüge haben hier einen Zwischenhalt eingelegt.«

Die S-Bahn-Station Ledermuseum befindet sich in der Nähe der meisten künstlerischen HfG-Lehrgebiete (Bildhauerei, Malerei, Grafikdesign und Illustration, Experimentelle Raumkonzept, Performance im erweiterten Feld, Labor Kunst), die alle in der Expositur Geleitsstrasse untergebracht sind. Gegenüber dem Gebäude des Ledermuseums liegt das Zollamt, in dem Studierenden- und Künstler_innen-Ateliers und die Ausstellungsräume der Hochschule angesiedelt sind. Ein Großteil der Studierenden und künstlerisch Lehrenden nutzt die S-Bahn-Station Ledermuseum, um zu den Gebäuden zu gelangen. Eine S-Bahn Station weiter, am Marktplatz, liegt sich das Hauptgebäude der Hochschule, in dem sich neben der Verwaltung unter anderem das Lehrgebiet Fotografie befindet. 

Bisher gibt es in beiden S-Bahn-Stationen keinerlei Hinweise auf die Hochschule, von daher ist eine Präsentation von Arbeiten der Studierenden eine großartige Möglichkeit, dies zumindest temporär zu ändern. Die Ausstellung der Arbeiten unserer Studierenden an der S-Bahn-Station Offenbach Ledermuseum in Kooperation mit der deutschen Bahn ist eine großartige Möglichkeit für die Künstlerinnen, ihre Arbeiten nach langer Zeit geschlossener Kunstveranstaltungen einem Publikum zu präsentieren.

Station Ledermuseum

Ausstellung an und in der S-Bahn-Station Ledermuseum in Offenbach

14 September bis 31. Dezember 2021

Arbeiten

nothing half, nothing whole

Verdiana Albano

Ein menschlicher Körper fließt zwischen die Gräser und Felsen. Skulptural für sich und doch eine Verbindung zur Landschaft suchend, tritt er performativ in Interaktion mit der Insel, die zwischen Afrika und Europa, zwischen rauer und lieblicher Vegetation, zwischen Wäldern und Wüste, Bergen und Nebel changiert. Verdiana Albanos Serie nothing half, nothing whole beschäftigt sich mit multikulturellen Herkünften und wie diese die Grenzen zwischen Ländern und Zuordnungen überschreiten. Wie bewegt sich die Natur in diesen Zwischenräumen? Wie bewegen sich Kulturen? Und welche Schwelle bleibt uns Menschen, um Zivilisation und Gesellschaft an ihren Rändern auf eine Umwelt hin zu öffnen? Die Künstlerin macht sich der Landschaft als einem Wechsel von Lebensräumen und Atmosphären ähnlich. Sie kehrt ihre Sinne ganz auf den Moment, das Gesicht den Blicken der Betrachter_innen entzogen, stetige Veränderung erwartend.

Text: Ellen Wagner

  • Verdiana albano copyright laurabrichta 5110

    nothing half, nothing whole

    Verdiana Albano

    Fotos: Laura Brichta

  • Verdiana albano copyright laurabrichta 5088

nothing half, nothing whole

Verdiana Albano

Fotos: Laura Brichta

titles

Laura Brichta

Alltag und Inszenierung gleiten in Laura Brichtas Fotosequenzen der Serie titles ineinander. Beinahe stereotype Szenen, wie man sie aus Filmen kennt, deuten eingefroren eine Erzählung an. Die Untertitel bieten nur scheinbaren Halt: Sie geben fragmenthaft Fetzen aus Unterhaltungen wieder, die die Künstlerin selbst geführt oder zufällig aufgeschnappt hat. Offen bleibt, wer hier was zu wem in welcher Absicht sagt, was auf der »Bühne« des Bildes passiert und welche Beziehung dies zur geschriebenen Stimme »aus dem Off« eingeht. Von den Motiven fühlt man sich auf Abstand gehalten und doch im Sog, persönlich adressiert zu werden, und vermeintlich ins Geschehen involviert. Sich ausgehend von eigenen Erfahrungen und Emotionen in die Situation eines Anderen einzufühlen, zeigt sich als fragiler Kontakt im Zwischen-Menschlichen, der in beide Richtungen verläuft und dabei Eigenes und Fremdes verschwimmen lässt.

Text: Ellen Wagner

  • Laura brichta copyright laurabrichta 4977

    titles

    Laura Brichta

    Fotos: Laura Brichta

  • Laura brichta copyright laurabrichta 4967

titles

Laura Brichta

Fotos: Laura Brichta

Ruth Neubert

Wie beeinflusst das, was ich trage, das Bild, zu dem ich mich mache? Wie komponieren und kommunizieren wir Charakter und Status nach außen? Oder schließen vom Kleidungsstil anderer auf deren soziales Umfeld, Geschlecht oder Zugehörigkeit zu einer Gruppe? Ruth Neuberts Fotostrecke als Teil des Magazins FABRIKEH befragt konventionelle Vorstellungen und Accessoires des vermeintlich Männlichen und Weiblichen. Aus eigens online bestellten Kleidungstücken konnten sich die Porträtierten ein »Outfit« wählen. Die Kleidung wurde nach dem Fotoshooting, das den Rahmen für ein Aus- und Anprobieren einer abweichenden, über Kleidung transportierbaren Identität und Rolle bot, zurückgeschickt. Die entstandenen Bilder spüren einer Präsenz losgelöst von Dominanz nach, die uns selbst zum Modell für ein anderes Ich werden lässt, das inneren und äußeren Erwartungen nicht einfach genügt, sondern Grenzen umspielt.

Text: Ellen Wagner

  • Ruth neubert copyright laurabrichta 4949

    Ruth Neubert

    Foto: Laura Brichta

  • Ruth neubert copyright laurabrichta 4934

Ruth Neubert

Foto: Laura Brichta

Johanna Schlegel

Johanna Schlegel hebt durch ihre Bearbeitung von Bildern aus dem Familienalbum, von Feierlichkeiten oder Urlaubsreisen, den brüchigen Charakter von Erinnerung als solcher hervor. Situationen, in denen die Künstlerin abgebildet ist, ohne dass sie sich noch daran erinnern könnte, wurden, wie bei einem Versuch, genauer hinzuschauen, vergrößert und als analoger Abzug mit Chemikalien behandelt. Malerisch verschwimmen die Gesichter, die Vorder- mit den Hintergründen und ergeben neue wolkige Farbformationen, in denen sich Geschichten und Beziehungen andeuten. Nah- und Fernsicht auf ein vages Gegenüber wechseln einander ab. Der Blick fällt auf einzelne Details und Strukturen, die dann wieder von großflächigen Verläufen überlagert werden – wie bei der Erinnerung, die sich permanent neu vor dem Grund des Jetzt formiert und verändert, sich lichtet und wechselnde Verdichtungen bildet.

Text: Ellen Wagner

  • Johanna schlegel copyright laurabrichta 5060

    Johanna Schlegel

    Fotos: Laura Brichta

  • Johanna schlegel copyright laurabrichta 5075

Johanna Schlegel

Fotos: Laura Brichta