Maria Sitte

Die Rolle investigativer und kriminalistischer Strategien in der zeitgenössischen Kunst

Fachbereich Kunst

Investigative und kriminalistische Strategien stellen gegenwärtig einen nicht zu übersehenden Trend in der Bildenden Kunst dar. Es ist zu beobachten, dass zeitgenössische Arbeiten signifikante Charakteristiken der journalistischen Recherchearbeit aufweisen und diese mit kriminalistischen und forensischen Visualisierungen verknüpfen, die ein erkenntnistheoretisches Interesse verfolgen. Menschenrechtsverletzungen, Morde, Korruption und Umweltverbrechen werden dem Versuch der Aufdeckung unterzogen. Die künstlerische Auseinandersetzung antwortet damit auf den gesellschaftspolitischen und medialen Alltag: Zeitschriften, Hörfunk und Onlinemedien belegen das große Interesse an der Investigation, was sich in der (Neu-)Gründung zahlreicher Investigativ-Ressorts offenbart. Zugleich werden gesellschaftspolitische Diskurse mit den jüngst in Mode gekommenen Begriffen »fake« und »postfaktisch« über die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Informationen und Bildern geführt. Diese höchst zwiespältige Tendenz schlägt sich auch in einer künstlerischen Thematisierung nieder. 

Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen Kunstwerke unterschiedlicher Medien untersucht werden, die sich mit der Aufdeckung politischer Mordverbrechen auseinandersetzen. Von Interesse sind dabei aktuelle künstlerische Arbeiten, die auf der Adaption dokumentarischer, journalistischer oder kriminalistischer Techniken basieren. Im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens steht somit das Wechselspiel zwischen ästhetischen und kriminalistischen Argumentationslogiken einerseits und daraus hervorgehende Rhetoriken der Überzeugung andererseits. Zeitlich beschränkt sich die Auswahl der Werke auf das 20. bis 21. Jahrhundert. Ziel des Projektes ist nicht die moralische Beurteilung investigativer und kriminalistischer Praktiken, sondern die Analyse von Kunstwerken, die im Kontext des »forensic turn« auf die Aufdeckung von politischen Morden abzielen und mit Hilfe moderner Technologien und neuer Bildästhetiken konkrete Gegenerzählungen unterbreiten. Strebt die Arbeit die systematische Erforschung bildbasierter Daten (Satellitenbilder, Diagramme etc.) zur Darstellung von Mordverbrechen an, verortet sich das Forschungsvorhaben methodisch im Bereich der Bildwissenschaft.

Betreuende:

Prof. Dr. Christian Janecke

Prof. Heiner Blum

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