Bernd Kracke, Professor für Elektronische Medien, ist seit 15. September 2006 Präsident der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach. Der erweiterte Senat hat Prof. Bernd Kracke am 20. Dezember 2012 für eine zweite Amtszeit (sechs Jahre) bestätigt; diese begann am 15. September 2012.
Als Professor für Elektronische Medien ist Bernd Kracke (*1954) seit 1999 an der HfG tätig. Von April 2001 bis zur Wahl zum Präsidenten im Jahr 2006, leitete er den Fachbereich Visuelle Kommunikation als Dekan. Er gründete das »CrossMediaLab«als Forschungs- und Experimentalplattform zur Vernetzung analoger und digitaler Technologien sowie deren innovativen Einsatz im Kontext von Kunst und Gestaltung. Dabei stützte er sich auf Erfahrungen aus seinen Tätigkeiten am M.I.T. Cambridge/USA (1979-1985) und der Kunsthochschule für Medien Köln (1991-1999) sowie aus seiner langjährigen Praxis als selbstständiger Mediengestalter und Medienkünstler.
Auszüge aus der Antrittsrede von Prof. Bernd Kracke am 30.11.2006
Die Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach positioniert sich als Kunsthochschule des Landes Hessen im Spannungsfeld von Kunst, Design und Medien. Mit der Ausbildung exzellenter Gestalter setzt die HfG nationale und internationale Maßstäbe. Exzellente Künstler und Gestalter sind Entrepreneure. Sie haben eine Vision, wie etwas sein könnte und sollte. Sie sind überzeugt von ihren Ideen, sie lieben ihre Ideen. Und nicht selten betreten sie Neuland. Auch wenn Deutschland technikverliebt ist und sein Glück in den Naturwissenschaften sucht: Wir dürfen nie den Wert unterschätzen, der von einem einzigen guten Gestalter ausgeht. Unsere Aufgabe ist es, unter den jungen Bewerbern in allen Disziplinen die größten Talente zu finden und ihnen die Möglichkeit zu bieten, kreatives Potenzial auf die eigene Weise bis zur Perfektion zu entwickeln. Um dies zu ermöglichen, werden an der HfG die Disziplinen Kunst, Design und Medien sowohl praktisch als auch theoretisch gelehrt und miteinander entwickelt. Ziel ist es, Künstler und Designer auszubilden, die den Anforderungen einer sich im ständigen Umbruch befindlichen Landschaft von Berufsbildern gewachsen sind.
Doch über Reformen und Professionalisierung hinweg, über die nachgedacht und diskutiert werden müssen - so wie es im Bologna-Prozess und den Autonomiebestrebungen vorgesehen ist -, müssen auch die Besonderheiten unserer Profession vor Augen geführt werden: Kreative Gestalter ticken anders als Betriebswirte oder Naturwissenschaftler. Und deshalb muss eine Hochschule für Gestalter anders ticken als andere Hochschulen und Universitäten, selbstverständlich ohne sich zu isolieren. Das Kennzeichen des kreativen Denkens ist nicht die gehorsame Uniform, sondern die Eigenwilligkeit.
Die Arbeit der HfG konzentriert nicht auf eine einzige Stilrichtung, sondern auf die Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit. Nicht zuletzt deshalb wird die Tradition des Ineinandergreifens von konkretem Praxisbezug, künstlerisch-gestalterischer Perspektiven und theoretisch-wissenschaftlicher Vertiefung an der HfG gepflegt. Hessen ist ein bedeutendes Kultur-, Design- und Medienland. Und Offenbach hat - mit der HfG als Aushängeschild - eine Zukunft als Kreativstandort. Mit ihrem dezidiert inter- und transdisziplinären Ausbildungsmodell positioniert sich die HfG national wie international im Spitzensegment der Kunsthochschulen. Mit Blick auf den anstehenden Exzellenzwettbewerb und dem damit einhergehenden Wandel der deutschen Hochschullandschaft, kommt der Schwerpunktbildung eine übergeordnete hochschulpolitische Bedeutung zu. So ist die Teilnahme an allen relevanten Wettbewerben unerlässlich. Damit haben die Studierenden die Möglichkeit, die Wirkung ihrer Arbeiten nicht nur im kleinen Kreis, sondern in der Öffentlichkeit zu erleben. Der jährliche Rundgang zum Ende des Sommersemesters ist mittlerweile zu einem Höhepunkt für alle Studierenden und Lehrenden und zu einer wichtigen Präsentation in der Öffentlichkeit geworden. Gleiches gilt für die Jahresberichte der HfG, die alle Diplome und Projekte des vergangenen Jahres enthalten.
Neue Ansätze für Forschung und Lehre an der HfG sehen die Schaffung eines Studienschwerpunktes Theorie ebenso vor wie den Erwerb des Promotionsrechts. Aber auch die Einrichtung von forschungsgetriebenen Instituten und fachbereichsübergreifenden Kompetenzzentren sind wesentliche Bausteine. Zudem soll - als gemeinsame Plattform für den Austausch zwischen Ausbildung und Branche - nach dem erfolgreichen Muster der Hessischen Theaterakademie auch die Hessische Film- und Medienakademie gegründet werden. Die Hochschule betrachtet es als wichtige Voraussetzung, ihre internationale Reichweite zu verstärken. Neben internationalen Auftritten und Publikationen der Lehrenden sollen der Austausch Studierender und Lehrender ebenfalls zur Festigung der internationalen Position beitragen. Ich bin davon überzeugt, dass die Artenvielfalt unserer Kunst einen vitalen Beitrag zur Entwicklung in unserer Gesellschaft leistet. Um uns auf unsere Ziele zu konzentrieren, muss die HfG so effizient wie möglich gemanagt werden. Hier bedarf es einer Neuausrichtung und eines Umdenkens. Für die HfG heißt das, konsequente Stärkung der Managementkapazitäten in der Hochschulleitung und in den Fachbereichen, um die Lehrenden für die geforderten Spitzenleistungen zu entlasten. Dies ist auch hinsichtlich der ab Oktober 2007 auf uns zukommenden Studienbeiträge unabdingbar, denn sie werden diese Hochschule vor ganz neue organisatorische Herausforderungen stellen. Für die Mittelverwendung im Zeichen der Verbesserung von Forschung und Lehre müssen Kriterien entwickelt werden, ebenso wie für die Sondertatbestände zur Beitragsbefreiung und die Stipendienvergabe. Unsere neue Autonomie muss professionell genutzt werden, um die HfG zu einem inspirierenden Biotop zu machen.
Es gibt kaum eine Hochschule mit vergleichbaren Voraussetzungen; in der Kunst, Design und Medien Raum an Raum arbeiten; keine, die aufgrund ihrer Gegensätze so große Chancen hat, sich immer wieder neu zu ergänzen und neu zu erfinden.