hfg OF_MAIN » Konferenz »Die kreative Stadt - Marketingzauber oder Entwicklungsperspektive?«

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Entwurf: Lukas Wagner

Wissen, Innovation und Kreativität sind zu immer bedeutenderen Kräften in der wirtschaftlichen Entwicklung einer Stadt und Region geworden. Kreativität als schöpferisches Denken lässt sich kaum messen oder statistisch erfassen, nichtsdestotrotz ist sie ein wichtiger Faktor für innovationsorientierte Wirtschaftsbereiche. In Hinterhöfen und alten Fabrikgebäuden, in Gewerbeparks und Bürobauten findet sich die heterogene Szene der Kreativen, die vom Fotografen und bildenden Künstler über Design- und IT-Büros, Film- und Tonstudios bis hin zu Architekten und Ingenieurbüros sowie den Anbietern hochwertiger Dienstleistungen im Beratungssektor reicht. Gemeinsam ist allen, dass sie Innovationen hervorbringen und neue Ideen entwickeln.

Jede große Stadt in Deutschland bemüht sich, qualifizierte, kreative und innovative Unternehmen und Selbstständige anzulocken. Die UNESCO gründete 2004 das weltweite Netzwerk der »Creative Cities«. Sogar die chinesische Parteiführung hat 2007 den Ausbau des Kreativsektors in seinen Metropolstädten beschlossen (selbstverständlich unter Aufsicht der Kommunistischen Partei).

Den Boom der Kreativstädte löste der Stadtplaner Richard Florida mit seiner 2002 publizierten Untersuchung (The Rise of the Creative Class) aus, die eine „kreative Klasse“ gehobener Dienstleistungsberufe mit einem besonderen Wertesystem definierte: Diese suchen, so Florida, eine besondere urbane Kultur als Umfeld zum Wohnen und Arbeiten. Kultur wird damit als weicher Standortfaktor Teil der kommunalen Steuerungspolitik. Die Ansiedlung von kreativen Unternehmen und Freiberuflern führt zumeist zu einer symbolischen Neubewertung von Stadträumen: dadurch entstehen »Third Places«, die nicht in der Stadtplanung und im Baurecht vorgesehen sind – neue kommunikative Interaktions-, Vergemeinschaftungs- und Bildungsräume. Allerdings führt die Aufwertung und eben auch Verwertung von Stadträumen (Standort- und Imagefaktor) zu Verdrängungsprozessen, von denen auch die kreativen Milieus (insbesondere ihre ökonomisch schwachen, experimentell-subkulturell orientierten Vertreter) nicht ausgeschlossen sind. Sind kreative Städte nur ein Marketingzauber oder tatsächlich eine Entwicklungsperspektive? Sie führen auf jeden Fall zu neuen Anforderungen an die Stadtplanung und Stadtpolitik: wie können Entwicklungsverfahren auf diese dynamischen und unbestimmten Prozesse reagieren? Und eignen sie sich als Leitbild kommunaler Entwicklung oder handelt es sich nur um „eine Diskursstrategie städtischer Eliten aus den Bereichen Planung, Marketing, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft“ (Silke Steets, Die Floridarisierung der Stadtpolitk, 2010)?

Die Konferenz diskutiert das Konzept der Kreativen Stadt und fokussiert die Probleme der Steuerung (»Governance«) von Kreativräumen im Rahmen von Stadtentwicklungsprozessen. Dazu werden Beispiele aus Bremen, Dortmund und Mannheim vorgestellt und anschließend diskutiert.

(Text: Kai Vöckler)
Für die Konferenz ist keine Anmeldung erforderlich. Der Eintritt ist frei.