Zeitzeugenfilme

vor 6 Jahren
So wie ihr euch erinnert

Kooperationsprojekt auf der Webseite des Historischen Museums: www.historisches-museum-frankfurt.de/Doku_Zeitzeugen

Filme unter:
vimeo.com/glueck_gehabt
vimeo.com/so_wie_ihr_euch_erinnert

In Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt und dem Fritz Bauer Institut haben Studierende des Lehrgebiets Film/Video der HfG Offenbach zwei 30-minütige Dokumentarfilme über Zeitzeugen des Nationalsozialismus gedreht. Betreut wurde das Projekt von Claus Withopf, Lehrer für besondere Aufgaben.

Im Rahmen Sonderausstellung »Fremde im Visier. Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg«, die 2010 im Historischen Museum gezeigt wurde, zeichneten die Studierenden der HfG vier Interviews mit Zeitzeugen auf, die die Erinnerungen und individuellen Sichtweisen der Wehrmachtssoldaten für die Nachwelt bewahren sollen. Diese Interviews ergänzen die Ausstellung, in der eine Diskrepanz zwischen dem Kenntnisstand der Geschichtswissenschaft über den Nationalsozialismus und den subjektiven, oft positiv geformten Erinnerungen an Väter und Großväter deutlich wurde. Die mehrstündigen Videointerviews werden ungekürzt der wissenschaftlichen Forschung und pädagogischen Vermittlung des Fritz Bauer Instituts und des Historischen Museums zur Verfügung gestellt und in deren Archiven aufbewahrt.

Aus dem 11-stündigen Videomaterial erstellten die Studierenden Stephanie Kayß und Philipp Karau eigenständige Dokumentarfilme. Die individuelle Herangehensweise und der Umgang mit der Thematik, die Auswahl und die Verwendung unterschiedlicher filmischer Stilmittel zeigen die Vielfalt dokumentarischen Arbeitens - auf der Grundlage des gleichen Ausgangsmaterials. Sowohl durch den unterschiedlichen Fokus als auch durch die Überschneidungen im Material ergänzen sich die beiden Filme und zeigen jeweils neue Aspekte.

Stephanie Kayß »Glück gehabt oder wie man den Krieg überlebt«, 2011, DV, 26 min
In »Glück gehabt oder wie man den Krieg überlebt« erzählen vier ehemalige Wehrmachtssoldaten, mal imposant und bewegend, mal lakonisch und still über den wohl dramatischsten Abschnitt ihres Lebens. Verharmlosung und Stolz schwingen dabei genauso mit, wie Traumata und Verdrängung.

Philipp Karau: »so wie ihr euch erinnert«, 2011, DV, 30 min
»so wie ihr euch erinnert« ist eine dokumentarisch fragmentarische Versuchsanordnung vier ehemaliger Wehrmachtssoldaten, die sich unabhängig voneinander, aber doch gleichzeitig erinnern. Weitgehend entkernt von betulichen Anekdoten gewähren die Protagonisten einen Einblick in ihr Verhältnis zur eigenen Sozialisation in einem totalen Staat, zur Shoah, zu Verbrechen der deutschen Wehrmacht und ermöglichen eine heterogene/multiple/widerspruchsvolle Perspektive auf das NS-Regime und dessen Ideologie. Der Film legt einen besonderen Fokus auf den Vorgang der Befragung der Interviewten und zeigt diese in ihren nonverbalen Reaktionen im Angesicht der sich an sie richtenden Fragen: in den Momenten des Zuhörens, Wartens, des sich Entsinnens, Gedankenfassens und in ihrem Ringen nach Worten.

06.02.12

Beteiligte Studierende
Valentin Denisowski
Stephanie Kayß
Philipp Karau
Maximilian Reimann

Produktion und Projektleitung
Claus Withopf
in Kooperation mit dem
Historischen Museum Frankfurt
Petra Spona
Wolf von Wolzogen
und dem
Fritz Bauer Institut
Jörg Osterloh
Gottfried Kößler

Glueck gehabt 3